Dämmerung und Nachtaufnahmen

@Natalie: hier, die versprochenen Bilder. Das Stadtfest in Licata.  Kommentare bzw. Text maybe später…

..der sitzt immer hier

..der sitzt immer hier

Ruhe vorm Sturm

die Ruhe vor dem Sturm

Die Strassen füllen sich..

Die Straßen füllen sich..

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di eMasse strömt langsam auf den St.Angelo Platz

die Masse strömt langsam in Richtung des St.Angelo Platzes

..es ist voll

..es ist voll

es wird zunehmend dunkel, Illumination geht an

es wird zunehmend dunkel, die Illumination geht an

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Die Prozession kommt in Bewegung. Vorne sind die Fackeltäger

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der Hauptverdächtige..

der Hauptverdächtige…

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Diese riesigen Dinger tragen die Jungs durch die Stadt. Drei Schritte vor, zwei zurück…

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Die Nikon tuts, auch bei so wenig Licht.

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Der gleiche Platz, eine halbe Stunde später. Die Prozession ist unterwegs.

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Ein schneller, temperamentvoller Tanz…

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Nein, das ist kein Scherz, es ist wirklich so warm.

Das Leben woanders

Im Laufe der letzten Wochen ist es deutlich wärmer geworden. Mittlerweile haben sich wieder alle Segler in der Marina eingefunden. Ein etwas nervöses Treiben ist im Gange – die Meute bereitet sich auf den „Abflug“ vor. Die Segel werden ausgerollt und hoch gehisst. Wie die Flügel eines Vogels schlagen sie ungeduldig im leichten Wind, sie wollen endlich los. Es wird wieder kräftig gebunkert was das Zeug hält, als würde es bald über den Atlantik gehen. Es werden noch einige Reparaturen durchgeführt, die Elektrik und die Elektronik überprüft. Die Mutigen unter ihnen tauchen in das noch etwas kaltes Wasser und versuchen ihr Schiff von dem üppigen Bewuchs zu befreien, die Anderen lassen sich in die benachbarte Werft abschleppen um dort einen neuen Antifoulinganstrich zu bekommen.  Trotz der gesalzenen Preise haben die Werften eine lange Warteliste. Tja, was will man machen, die nächste Kranmöglichkeit ist ca. 60sm entfernt. Einige haben die lange Winterpause allerdings nicht so glimpflich überstanden. Zwei Boote haben ernsthafte Motorschäden, defekte Zylinderköpfe und s.Ä. Für einen wird es recht teuer – seine betagte Maschine ist hin. Eine neue muss her, und nicht mal so ein üblicher Zwei-oder Dreizylinder Hustenpuster, sondern ein 6-Zylinder-Power-Brocken. Das wird bitter teuer!  Mehrere Wochen gehen drauf  bis die Yachten einigermaßen für die Saison bereit sind. Es wird gebohrt, gesägt, geklebt, gehämmert, geflext und vor allem geflucht. Alles ist drin, nur keine Langweile. Trotz den „widrigen“ Umständen sind die Segler munter und fleißig dabei und lassen sich nicht vom Weg abbringen.

 

Ich werde oft gefragt, wie läuft es so, wie kann man sich so ein Leben auf einem Boot vorstellen?

Ich denke es ist wie in einer gewöhnlichen Ferienwohnung, nur mit dem Unterschied dass diese halt auf dem Wasser schwimmt.  Der Vorteil ist – man kann sie dahin bringen wo man will. Dafür  braucht man  keinen Kran, kein Transportunternehmen, man muss lediglich die Segel setzen und nichts wie weg, zu den besten Lagunen der Welt. Hört sich doch alles prima an, aber ein erfahrener Leser wird sich wohl die Nase reiben und denken: Da gibt es doch irgendwo einen Haken!

In der Tat, den gibt es, und der ist gar nicht mal so klein. Diese Bewegungsfreiheit kostet nämlich einiges an Zeit, an Geld und an Nerven. Diese betuchten , schwimmenden Apartments  sind äußerst wartungsaufwändig.  Selbst das, was Niet-und Nagelfest sein soll, geht auf einem Segelboot früher oder später kaputt. Das schwimmende Objekt ist von allen Seiten von aggressiven Medien umzingelnd.  So wie Leute, die direkt braun werden wenn sie das Wort „Sonne“  auch nur aussprechen, so ist es mit dem Equipment an Bord einer Yacht –es geht kaputt, selbst wenn irgendwo Salzwasser auch nur vermutet wird. Dann die nächste nicht zu unterschätzende „Gefahr“ – all diese Mechaniker, Service Techniker, Marineros, Chandler – versuchen in den ein-zwei Sommermonaten den Gewinn des Jahres zu machen. Der Umstand, dass oft nur die Segler die einzige „Beute“ für sie darstellen, zwingt sie dazu  alles raus zu holen was die schwäbische Natur eines Buchtenbummlers nur hergibt.  Dann noch die ewig nervenden  Fragen: Wo bekomme ich Trinkwasser her? Essen? Proviant? Diesel? Ersatzteile? Wo übernachte ich ruhig und sicher?  Wo bekomme ich den Wetterbericht her?  Ich beobachte immer die gleiche Szene: ein Segelboot kommt in eine Bucht rein und geht vor Anker. Kurzerhand wird das Beiboot runtergelassen und dann geht es los. Hin und her, wie die Ameisen, hin und her: Tüten, Kanister und Müll werden fleißig durch die Gegend kutschiert. Bis man es erst mal einigermaßen verstaut ist schon der Abend da. Dann wieder ab ins Beiboot und mit der ganzen Mannschaft ans Land tuckern. Die Ortschaften müssen ja noch im Schnelldurchgang erkundet werden, ein paar nicht aussagende Fotos werden geschossen, und anschließend irgendwo ein gutes Plätzchen für den Abendtisch ergattert. Hoppala-Hop, Stress pur! Sozusagen, im Galopp durch Europ‘!

Ein Bekannter von mir sagte einmal zu mir: „Trotz all dem was du da erzählst, irgendwie kommt bei mir kein Mitleid auf“, und grinste mir frech ins Gesicht.

Tja, was treiben die Segler sonst noch? Segler, vor allem diese hier, die Bummler, sind ausgesprochen gesellige Leute. Ein guter Wein in der Bilge hat wirklich keine Chance sauer zu werden, er wird gerne geteilt. Heute hier, morgen dort, man findet wenn man will immer einen Anlass. Am Sonntag ist hier z.B. ein Grilltag. Die Marinaverwaltung hat für die Segler einen ordentlichen Grillplatz gebaut und so sammeln sich jetzt am Sonntag alle gern dort. Es wird wieder gegessen, getrunken und palavert was das Zeug hält, als hätte man sich schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.

Wer kein Gebrutzeltes mag, der findet andere Beschäftigungen. Franzosen spielen gern dieses… na, wie heisst es noch mal, das wo man Kugeln durch den Staub wirft… bei dem Spiel gibt es dauernd heftige Diskussionen. Der energischen Gestik zu entnehmen – muss es ein verdammt spannendes Spiel sein, wahrscheinlich auf Leben und Tod. Ich war heute z.B.  laufen.  Es ist erstaunlich immer wieder zu sehen wie viele Italiener ihren „Hintern“ bewegen. Alles bewegt sich hier: jung und alt, dick und sportlich, Hüften und Po’s.  Sie können es halt nicht anders, die Sizilianer sind nun mal echte Warmbluter.

Heute habe ich mir einen Sonnenschutz gebastelt. Einen halben Tag herumgestochen und Ösen gesteckt. Sieht zufriedenstellend aus, ich hoffe nur dass sich der Super-Duper-Crazy-Geile Persenningstoff nicht schon nach ein paar Wochen unter der sizilianischen Sonne in Einzelteile zerlegt. Es wäre mir um die investierte Arbeit zu schade.

 

Meine Pechsträhne habe ich mittlerweile durch drastische Maßnahmen unterbunden. Ich habe sie schlicht und ergreifend weg definiert. Es lohnt sich nicht, sich über diesen ganzen Misst aufzuregen, die Welt dreht sich auch so weiter. Das eine gebrochene Solarpaneel war anscheinend eins zu viel. Im Grunde, komme ich jetzt auch mit der aktuellen Kapazität gut zu recht.  Den sündhaften teuren Tuner habe ich auch repariert. Mittlerweile habe ich der Wegwerfgesellschaft eine Art stillen Krieg erklärt. In der Werkstatt sagte man mir immer wieder dasselbe: Nichts zu machen! Irreparabel, muss ein neuer her! Und sofort das Hilfsbereite: “Soll ich einen bestellen?“. „Nö!“ Aus Prinzip!

Abends saß ich dann eine Stunde dran, ein kleines mickriges Teil, so um die 2,5mm ausgelötet und getauscht… und sieh mal da, es geht! Materialkosten ca. 4-5 Cent. Neulich wollten sie auch in old Germany so ein Spielchen mit mir treiben, denn es kam die gleiche Aussage bei der Reparaturanfrage für einen GPS Plotter: „Das Teil ist hin, ein neues muss her!“ Tage später  habe ich dann eine halbe Stunde mit dem Oszilloskop dran herumgestochert… das Teil funktioniert immer noch. Die ausgetauschte Diode kostet z.B. bei Reichelt Elektronik gerade mal 4 Cent.

Bekloppte Welt, nicht wahr? Sei es drum, die Sonne scheint! Alles wird gut!

 

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Marina del Sole

 

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April. Es ist noch grün

 

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..wie in einem Crewraum: docking stationen

 

Klumpig

Klumpig

wie so oft in Italien, sieht schief aus, tut es aber noch..

wie so oft in Italien, sieht schief aus, tut es aber noch..

Läufer. Vater und Sohn

Läufer. Vater und Sohn

Wegwerfgesellschaft...

Wegwerfgesellschaft…

Meer in Silber getaucht

Meer in Silber getaucht

Was passt hier nicht ins Bild?

Was passt hier nicht ins Bild?

Absurdistan! Man fängt Fische um diese später an die Fische zu verfuttern

Absurdistan! Man fängt Fische um diese später an die Fische zu verfuttern

Wie ist der wohl dahin gekommen? Navigationsfehler?

Wie ist der wohl dahin gekommen? Navigationsfehler?

Sonntag. Er hat frei.

Sonntag. Er hat frei.

Salz

Salz

Traditionen werden gepflegt..

Traditionen werden gepflegt..

Dave ist heute um 2Uhr nachts angekommen und schon am schrubben. Putzteufel!

Dave ist heute um 2Uhr nachts angekommen und schon am schrubben. Putzteufel!

IMVIRI hat am Ruder ein Nachwuchs bekommen...

IMVIRI hat am Ruder ein Nachwuchs bekommen…

Grillplatz in der Marina..

Grillplatz in der Marina..

..es brutzelt und qualmt

..es brutzelt und qualmt

..manche finden es lecker

..manche finden es lecker

Murphy’s law

Die Pechsträhne will irgendwie nicht abreißen.  Erst die Versicherung, die sich blöd stellte und mir den Weg nach Tunesien verwehrte. Dann kam das dicke Paket aus Deutschland, mit verschiedenem Zubehör und zwei Solarpaneelen. Das Paket sah so aus, als ob ein riesiges Nilpferd  zwei Tage an dem Ding herumgekaut hätte. Sogar die Dosen mit der Epoxyfarbe sind zusammengestaut und gequetscht, und ein Solarpaneel bestand quasi nur noch aus einem Rahmen. Der Rahmeninhalt hat sich in tausend klein geschredderte Glasteilchen zerlegt.
Die Kurzwellenanlage ist auch außer Betrieb. Der Tuner, der für Frequenzabstimmung zwischen der KW-Anlage und der Antenne geschaltet wird, ist nämlich hinüber. Das amerikanische Teil ist  explizit für Outdoor-Installationen vorgesehen. Es ist in einem dicht abgeschlossenen Gehäuse verbaut und laut Hersteller alles aufwendig mondscheingetrocknet und unterwasservergoldet. Wegen dieser „Explikation“ hat das Teil natürlich auch einen entsprechend stolzen Preis. Leider alles nur zum Schein. Dicht ist es ja schon, leider nur von unten. Als ich feststellte, dass irgend etwas nicht stimmt und ich der Sache nachgegangen bin, stellte ich fest, dass sich im Gehäuse so ungefähr ein halber Liter Regenwasser angesammelt hatte und die Elektronikplatine komplett unter Wasser war. Den Rest kann man sich freilich selbst denken. Und als ob das alles nicht genug wäre, gibt’s einen Nachtisch oben drauf:  die Garantie ist vor einem Monat abgelaufen.
Gestern beim Deckputzen habe ich auch noch entdeckt, dass eine Relingstütze abgerissen ist und an ihrem Platz nur noch in den Seilen hängt. Das muss man erst mal hinkriegen, so eine robuste Stütze abzureisen! Es scheint, als hätte das Nachbarschiff ziemlich lose in der Mooring gehangen und sich bei stürmischem Wind gemütlich mit dem ganzen Gewicht in meine Fender gelegt. Der Eigner hat sich noch nicht blicken lassen, soll angeblich in einer Woche eintrudeln. Er wird nämlich hier sehnsüchtig erwartet, das Empfangskomitee ist echt sauer und hält schon die „Blumen“ bereit.

Der Hydraulikzylinder, den ich mir aus Deutschland nachgeschickt habe, passt nicht. Ich muss ihn tatsächlich zurücksenden und auf einen neuen warten. So kommt richtig Stimmung auf!
Da oben im Himmel meint wohl jemand es sei noch nicht genug. Man sollte noch eins drauflegen, weil es richtig Spaß macht zuzusehen, wie sich der da unten die Haare rauft. Prompt hatte ich die nächste „Freude“. Am Samstag brach mir ein halber Zahn ab. Wahrscheinlich wegen des dauernden Zähneknirschens in den letzten Tagen. Tja, hier auf Sizilien ist das so ‘ne Sache mit den Dentisten. Verstehen kein Wort Englisch oder Deutsch, wollen aber Bares sehen.  Was will man machen, da muss man durch… Das laute Schnalzen mit der Zunge und Kopfschütteln sind aber, so denke ich, auf allen Sprachen identisch und suggeriert nichts Gutes. ,,Der Zahn muss gezogen werden!”, das Urteil stand fest. ,,Ist nicht mehr reparabel, es ist zu viel abgebrochen.” –   ,,Nö!”,  und ein aussagekräftiges Kopfschütteln meinerseits quittierte sein Urteil. ,,Machen Sie ein Provisorium, sodass es bis Germania hält und fertischhh!”, meinte ich.  Genau eine Stunde später durfte ich das klumpige Stück Plastik im Mund bei der Empfangsdame gegen Bares freikaufen, und es wurde mir sogar scheinheilig erlaubt ganz „piano“ drauf herumzukauen.
Es sieht wohl so aus, als müsste ich demnächst wieder nach Hause, um mich der von mir so gehassten Sache zu stellen.
Ich schaute nach oben und sprach gen Himmel: „Häää-häää-hää! Ich finde das gar nicht lustig!“

High Blue

Um 2:50 Uhr wache ich auf. Eine Viertelstunde früher als der Wecker eigentlich klingeln sollte. Es ist so wie früher, wenn ich einen wichtigen Termin hatte und mich gründlich drauf vorbereitet habe. Hab keine Ahnung wie das geht, denn für mich ist es immer noch ein Rätsel wie es das Hirn schafft, die Zeit so genau abzumessen.  Ich laufe mit der Hose in der Hand herum, in völliger Dunkelheit,  versuche so leise zu sein wie es nur geht, um meine Frau nicht aufzuwecken- sie hat seit gestern Mittag starke Kopfschmerzen- torkele blind herum und mache es nur noch schlimmer.  Stehe dann im Flur und gehe gedanklich die Check-Liste durch… sieht  so aus, als hätte ich alles was ich brauche. Aus einer anderen dunklen Zimmertiefe meldet sich meine Tochter: „Papa, guten Flug, gell?“.  Ich komme rüber: „Ist gut, schlaf weiter!“. Bin angetan, was für eine Familie ich habe! Die Älteste kommt extra aus Hamburg um mir Tschüss zu sagen, die andere lässt ihr Training sausen und kommt auch angereist. Ich versuche dahinter zu kommen was los ist. Ich fahre ja nicht für die Ewigkeit weg, es sind ja nur ein paar Monate…

Mein Sohnemann begleitet mich bis zum Flughafen. „Soll ich mit dir rein?“ – fragte er, als ich direkt am Terminal angehalten habe. Ich verstehe seine Frage, wir stehen halt im Parkverbot.  „Nein, es geht in Ordnung, sieh zu, dass du weg kommst. Pass auf die Weiber auf!  Mach’s gut!“.

Am Flughafen Düsseldorf ist alles beim Altem, ich fühle mich wie Zuhause.  Es ist sicherlich zu früh um den einen oder den anderen ehemaligen Kollegen anzutreffen. Ich mag diesen Laden hier.  Ergebe mich widerstandslos dem Sicherheitscheck, werde gründlich abgetastet. Heute stört’s mich aber irgendwie nicht mehr, grinse nur und denke mir – gut dass es euch gibt, macht schon, aber bitte gründlich! Danach wackele ich schlaftrunken zur Kaffee-Lounge.  Warte bis die Frau vor mir bedient wird und schaue zu wie gemütlich die Espressomaschine gurgelt…

„Sir!… Sir!!“ –höre ich und wache kurz auf. Ach, die meint mich?.. wie kommst sie auf „Sir“? Na gut, vielleicht schlafe ich noch… „ ämm… äää… one Espresso… double, please“. Ich sitze später in einem weichen Sessel und genieße den heißen Espresso. Alles sittlich, gepflegt, geregelt hier. Sauber. Ich schaue mich um… die meisten sind Deutsche, auch gepflegt, ordentlich. Überwiegend Stadtmenschen, erkenne ich an deren Haltung und Bekleidung.  Schaue mir die Gesichter an – spüre, sie denken dasselbe was ich denke…

Im Flieger torkele ich mich langsam bis zu meinem Sitzplatz durch. Eine Stewardess steht mieten im Flieger, sie stand zwischen den Sitzen und begleitete mit routiniertem Blick das Geschehen.  Ich schau sie an – sie ist geschäftstüchtig konzentriert und seriös.  Stempelt automatisch bei jedem Gast, wie eine Roboterpuppe: „Guten Morgen!“ bzw. „You are welcome!“ ab, schaut aber nicht in die Augen.  Was sie wohl hat? Vielleicht Probleme zu Hause? Oder haben doch die Ereignisse der letzten Wochen einen Schatten hinterlassen? Ihre Hände in roten Lederhandschuhen liegen auf  der Sessellehne, übereinander, vertraut und gemütlich wie bei Da Vincis Mona Lisa. Ich sage im Vorbeigehen: „ Finde ich cool!“ und zeige mit einem Kopfnicken auf ihre Handschuhe.  Sie bricht auf, ihr Gesicht hellt sich auf, sie lächelt, die Spannung ist weg… sie sagt noch irgendwas, ich höre es aber nicht mehr, ist mir auch nicht mehr wichtig, ich weiß nur: ihr geht es jetzt besser. Hat sich also gelohnt 😉 Ich wurde mehrmals später angesprochen, ob ich einen Kopfhörer möchte, ob ich was trinken möchte, oder doch ein Kissen vielleicht…

Ich flog mit einer A320,  eine recht betagte Maschine.  Anzumerken war, dass sich der Kapitän beim Anflug persönlich meldete und teilte mit, dass wir jetzt in den geplanten Sinkflug gehen. Die beiden Piloten haben eine mustergültige Landung abgeliefert. Die Passagiere haben applaudiert, lauter und länger als sonst, und ich denke die Crew hatte es auch verstanden. So ist es halt, wir stecken alle in dem selben Boot und spätestens in einem Sturm weiß man, mit wem man zusammen rudert.  Es ist immer dasselbe, es muss immer erst was passieren, damit wir unsere aufgezwungene Arroganz wie einen Alptraum abschütteln und aufwachen…

 

Sizilien empfing mich so wie üblich – mit blauem Himmel.  Beim Anfliegen schaute ich auf Ethna und staunte: die obere Hälfte des Vulkans war immer noch mit Schnee bedeckt. Über die Vulkanspitze hatte sich eine Wolke fest gemacht. Sie sah aus wie ein Hut eines vietnamesischen Reisbauers. Saß dort fest und bewegte sich nicht. Stunden später konnte ich immer noch dieses Hütchen über dem Vulkan sehen. Es war alles wie vorher, ohne sichtbare Veränderungen.

Nichts hat sich hier verändert. Der Busfahrer hat die ganze Zeit unermüdlich gequasselt, es gab nirgends ein Versteck vor ihm. Doch das ist nicht schlimm, es wird wieder alles gut, man muss sich nur etwas Zeit nehmen, um sich zu adaptieren.

Meiner anstehenden Tourplanung ist etwas dazwischen gekommen: Vor meiner Abreise bekam ich ein Schreiben von der Versicherung, in dem mir mitgeteilt wird, dass sie wegen der aktuelle Lage in Tunesien keine Deckung  mehr anbieten. Hoppla! Wat nun?

 

High Blue

High Blue

Grau über Deutschland

Grau über Deutschland

Grau über Deutschland

Back to the roots…

Über 30 Jahre lang war ich eng verbunden mit Informationstechnologien, ein Bit-und Byte Junkie durch und durch. Jahrelang habe ich mich selbst, und mit Hilfe anderer fleißig mit allmöglichem Info-Müll bis zur Besinnungslosigkeit zugedröhnt. Gemeinsam war man bemüht, so gut wie keine freien Hirnkapazitäten für ein tieferes Nachdenken übrig zu lassen. Das Hamsterrädchen habe sich ungehindert weiter zu drehen. Für naive Fragen über den Sinn und Zweck gab es keinen Platz. Auf einen Betrieb der kontinuierlichen Selbstverstümmelung des Geistes war man ordentlich getrimmt. Man glaubte, eine gute Miene dabei zu haben wäre von Bedeutung. Es sei `up-to-date`, es sei `in` – so suggerierten es uns die Medien.

Ich traute mich an ein Experiment ran – den Versuch, sämtliche Massenmedien weitestgehend zu ignorieren. Was geschieht mit jemandem, der so einen mentalen „Absturz“ wagt?   Wie fühlt es sich an, ohne die gezielten und aggressiven Desinformations-Chemikalien zu leben?

Damit das angeschlagene neurotische Nervensystem durch den Entzug nicht sofort kollabiert, griff ich zu einer Art „Informationsmethadon“. Seit einem guten Jahr ist der Fernseher bei uns Zuhause aus. Schwarze glanzpolierte Verblödungsapparat steht nur noch da und dient uns als effektiver Staubindikator. Das Radio in meinem Auto hat seit längerem eine Störung. Ich bemühte mich aber nicht um es wieder instand zu setzen. So bleibt es halt als eine überteuerte Blende mit glänzenden Knöpfen im Armaturenbrett erhalten. Mein Smartphone zog sich einen Riss im Bildschirm zu. Ich nahm es auseinander und verwendete die ausgebaute Kamera um es für eins meiner Miniprojekte zu nutzen. Aus der Kramkiste buddelte ich ein altes Tastenhandy aus, Karte rein, …und sieh mal an – es geht. Die Akkulaufzeit beträgt immer noch über 20 Tage! Ein purer Genuss so ein Handy. Kein Stress, kein Informations-Müll, eine angenehme Ruhe im Karton und – es klingelt vor allem nur dann, wenn ein richtiger MENSCH am anderen Ende der Leitung ist. Kommuniziert wird verbal, so wie es in dem letzten Jahrhundert nun mal üblich war. Hmm? … das klingt so komisch – im „letzten Jahrhundert“! Ist das schon so lange her?!

So, jetzt hatte ich nur noch das Internet und die Bücher übrig. Daraus versuchte ich mir ein eigenes Medikament zu mixen. Ich kannte die Welt des Internets zu gut, um mich nicht wieder blind in diese hineinzustürzen. Also, eine Analyse mit System, ein bedacht sachtes Herantasten musste her – ein verstohlener Rundumblick aus dem Schützengraben.

Wo fängt man an? Na, von vorne, natürlich. Zunächst mal den Dreck wegkehren. Also, als erstes mussten die Leitmedien ran, die Mainstream-Maschinerie. Mein lieber Scholli, was sie da alles zusammenbrühen! Aus allen Ritzen trieft es nach Angst und Panikhysterie. Pegida, Islam, Putin, Ukraine, MH17, Kriegshetze, Klimaschwindel: alles nichts für schwache Nerven. Einer ist exzentrischer als der andere, eine fette, schreiende Überschrift über der anderen. Und fast alle arbeiten nach dem gleichen Schema: Anfahren, erschrecken, Kontrollsystem aushebeln und mit nachgeschobenen subtilen Desinformationen das Unterbewusstsein bis zur Unkenntlichkeit umcodieren. Es ist wie beim Arzt: Einfach schlucken! Nicht nachdenken! Wem das nicht genug ist, bekommt es halt intravenös über freiwillig bezahlte Apps und Abos direkt bis ans Bettkissen. Früher war es eine Zigarette nach dem Akt, heute ist es die App (active people penetration) zwischendurch. Nur nicht stehen bleiben, immer weiter, das Rädchen muss sich nun mal drehen, Zinsencounter tickt unaufhaltsam! Eine Massenbewegung im Osten Deutschlands hat dem Medien-Sammelsurium einen markanten Namen gegeben: Lügenpresse. Na ja, so werde ich es nicht unbedingt sehen. Ich glaube nicht mal dass sie lügen. Sie glauben halt an den Schmarrn den sie selbst produzieren, und die wenigen die es nicht glauben, „tun nur ihren Job“, sie sind schließlich auch nur Menschen, verschuldet bis zu Haarwurzeln, genau wie der Rest der Menschheit. Nicht ohne Sinn wird behauptet, dass ein Schuldner der „loyalste“ Bürger bzw. Mitarbeiter sei, den man haben kann.

Sei es drum, für Eins ist diese sogenannte Lügenpresse doch gut. Sie ist ein guter Indikator für die Schwachstellen im propagierten globalen System. Man schaut nun einfach worüber sie sich am meisten aufregen, wen oder was sie am lautesten beschimpfen und tue dann das Gegenteil: ich schaue mir die Gegenseite genauer an. Aber vielleicht ist es so gewollt?

Dann noch die unzähligen Blogger: pro-westlich, pro-russisch, pro-islamisch, pro-garnichts, usw. Es ist kaum zu durchblicken. Wer bezahlt wen? Wer gegen wen? Auf den ersten Blick ein völlig chaotisches Durcheinander. Aber nur auf den ersten Blick… Ich habe ja ganz stark den Eindruck dass wir gehörig um die Nase herumgeführt werden. Anscheinend verdienen wir nicht Besseres. Tja, das ist natürlich Blöd.

Von einem BWL Studenten habe ich vor kurzem gehört, er meinte, er könne den Blödheitskoeffizienten der Nation ziemlich genau ausrechnen. Es gäbe da den ultimativen und verlässlichen Indikator – die Anzahl der verkauften Sonnenfinsternis Brillen. Musste ich vielleicht lachen, der Junge hatte nicht unbedingt unrecht. Nach gut einer Stunde herumblättern in diesem medialen Wirrwarr sehnt man sich gedanklich nach einer Dose Aceton, um sich nicht nur Hände zu reinigen, sondern auch um den Rest über den ganzen Mist zu kippen und anzuzünden.

Später spaziere ich durch den Wald um das gelesene gedanklich zu sortieren und zu filtern. Ich denke über gute Bekanntschaften und Freunde nach, über junge Menschen die keine Zukunft haben wollen. Warum sind sie alle so unglücklich? Warum glauben sie an nichts, weder an Gott, noch an sich selbst? Wieso messen sich die Menschen auf einmal nach der große ihrer Autos? Leute die ich seit Jahrzehnten kenne und für friedliche und vernünftige Menschen gehalten habe, äußern jetzt ihren ausgewachsenen Hass gegen die Ausländer, vor allem gegen die des muslimischen Glaubens. Ich verstehe meine Freunde nicht mehr. Und warum freue ich mich über Kleinigkeiten wie neulich als ich in einem Café von älteren Damen über 70 in einem perfekten Deutsch angesprochen wurde? War das die Freude diese alte schöne Sprache noch zu hören? Ist die hochgepriesene Globalisierung der bittere Ersatz für die absterbende Moral? Wird man sich damit identifizieren können? Ich befürchte, dass sie es nicht mal von uns erwarten, es ist belanglos. Im Dunkeln kehre ich zurück, völlig durchgefroren und leicht desorientiert.

Es wird wohl Zeit den Seesack zu packen. Ich kehre zurück in die Welt ohne unerwünschte Medien, ich brauche dringend frische Luft. Es ist keine Flucht, nein, keinesfalls. Ich denke, es gibt nichts Schlimmeres für die Manipulatoren als wenn man sie ignoriert, gar nicht für Ernst nimmt. Dann funktioniert es eben nicht, man kann nicht „RFID“ krank werden wenn man nicht geimpft wird.

Als erstes segele ich nach Tunesien und schaue mir die „feindseligen Antipoden“ live an. Hoffentlich wird daraus kein Kurschatten…

 

Deutsche Eiche

Deutsche Eiche

Kälteintoleranz

Die Holländer sind tolerant. Als ich spät abends in Maastricht durch das Flughafengebäude latschte, hatte ich keine Blicke erfasst die z.B. folgendes ausdrücken wollten: „Schau mal, ein Bekloppter in kurzen Hosen und Römersandalen“. Tolerant bzw. schlau sind sie, oder beides. Es ist nicht zu übersehen: ein Typ mit dunkler Lederhaut, ein etwas verwirrter Blick, eine ausgeblichene Baseballkappe (mit Sailing-Logo versteht sich) auf dem Kopf und eine  ausgeblichene Segeljacke(mir wurde mitgeteilt ich solle doch bitte etwas Wärmeres anziehen, in Holland sei es etwas kühler;)) – klarer Fall, er war zu lange an der Sonne 😉

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Ich durfte natürlich auch gleich ans Steuer, somit hat das Frauchen das Kommando übergeben und machte sichs dann gemütlich auf der Rücksitzbank. In DL angekommen, kam sofort die  erste ernüchternde Eingliederung in die Alten-Republik. Das verdammte, veraltete, unflexible Verkehrsleitsystem! Überall Ampeln, Ampeln, Ampeln! Man steht mitten in der Nacht, irgendwo in der Pampa an einer Kreuzung, seelenallein und wartet auf Grün. Idiotie hoch drei! Nun fragt man sich: halten die Lobbisten uns für Idioten oder sind wir es wirklich? Ich habe irgendwo mal gelesen, dass das menschliche Gehirn nicht zum Denken geeignet ist und ursprünglich vermutlich dazu diente, das Blut zu kühlen… Ich denke, es muss welche geben die dauernd unter Unterkühlung leiden.

Die Reise an sich hat mir gut getan, ich bin zufrieden.  Die erste Hälfte war am interessantesten und zum Schluss natürlich der leckere Nachtisch – Sizilien. Wo war es am besten? Das kann ich ohne zu zucken beantworten: auf dem Meer. Nur auf dem Meer, weit vom Land fühlte ich mich wirklich frei und ausgeglichen.

Das einförmige Segelpublikum in Mediterranien ist ziemlich einfach zu kategorisieren. Es gibt eine bunte Massenmischung, die man Charterer nennt. Da ist alles dabei, von jung bis alt. Die zweite Gruppe sind die Locals, die einheimischen Segler, auch gut bunt vertreten. Die dritte Gruppe sind die einreisenden Segler aus Mittel- und Nordeuropa, die ihre Boote in Mediterranien liegen lassen. Die vierte Gruppe sind die Rentner, die auf den Booten leben und manchmal auch segeln. Es gibt noch eine kleine, kaum wahrnehmbare Gruppe, das sind die Anarchisten. Sie gleichen wandernden Elektronen: mal werden sie angezogen, mal abgestoßen, aber so richtig finden sie nie einen Platz. Aber sie sind in Mediterranien selten anzutreffen, sehr selten, quasi ein Anomalie.

Romantisches, so wie es in den Büchern und Zeitschriften über das Segeln oft geschrieben wird, fand ich im mediterranen Raum nicht. Dort ist alles sehr prosaisch. Kommerz steht natürlich auf der ersten Stelle. Auch in den Stammtischgesprächen dreht sich alles um „Wo, wie viel, und was es koste?“.  Oft ähnelte manche Marina einem Schrebergarten, scheint mir jedenfalls ein sehr verwandtes Publikum zu sein, auch die Regeln und das Verhalten. Die Versottung geht dann ganz schnell, es muss nur die kritische Rentner-Masse erreicht werden. Die Abenddämmerung der Intelligenz bringt kaum noch Licht in die so tief versiffte Sumpfgebiete . Erstickungsgefahr!

Ob ich in Mediterranien weiter bleibe? Ich wage es zu sagen: Ich habe keine Ahnung. Ich habe mir seit einer Weile abgewöhnt, langfristige Pläne zu machen, da die Dinge dazu neigen, manchmal ihr eigenes Bewegungsmoment zu entwickeln.  Ich denke, und das ist sicher, dass ich denke, dass ich denke, dass ich im Frühling den Bug gegen den Süden richten werde. Tunesien steht auf der Speisekarte. Diesmal kommt aber mein liebster Randonneur mit und wir werden das Land von innen abspulen. So geht es tiefer unter die Haut.

 

Ich verabschiede mich  somit für ein Weilchen.  Sendepause. Nächste Sendesignal ist in März zu erwarten. Halten Sie die Antennen steif!

Vorübergehend geschlossen.

Vorübergehend geschlossen.

Nato-Pause

November. Es ist Zeit, ich fliege nach Hause für ein paar Monate.

Das Experiment ist uns gelungen. Wir haben uns drauf vorbereitet, drauf eingestellt und wir haben es gewagt. Es gibt einiges an neuen Erfahrungen zu verzeichnen und zu verarbeiten. Eine davon ist: mein kleines Frauchen tut sich trotz allen ihr zur Verfügung gestellten Mitteln recht schwer mit dem Haus und der Situation allgemein. Das Haus schreit nach einem Mann. Und unsere alte Katze auch – sie ist müde davon, ständig über das Haus zu wachen 😉  Ich werde mich um einige Angelegenheiten kümmern müssen und in den Pausen zwischendurch einiges an Innovationen etablieren. Ich möchte die Sizilianische Sonne nach Hause bringen, über Solar. Das Haus mit einem modernen Energieversorgungssytem bestücken, und das auf eigene Regie, Hammerwerfer bleiben draußen. Angefangen mit Solaranlagen, über Stirling  bis zur BHKW. Mein Ziel ist:  die Ausgaben für die Energie ( Strom, Wärme) auf null zu bringen, und die Amortisierung in weniger als in drei Jahren abzuschließen.

Winterquartier

Mein letzter Aufenthaltsort auf Sizilien ist Licata. Da liegt eine neu, moderne Marina im Süden Siziliens. Sie ist sozusagen das Winterquartier für die Segelnomaden.  Engländer, Franzosen und Deutsche okkupierten den größten Steg in der Marina. Viele von Ihnen bleiben hier für die Winterzeit. Der Rest fliegt nach Hause um nach dem Rechten zu schauen, Glühwein auskosten, und die Anderen quartieren sich hier gemütlich winterfest ein. Rasch wurden Communities gebildet, frei nach Interessen, nach Kulturzugehörigkeiten usw. die Damen-Gruppe trifft sich mal zu Kaffeekränzchen oder zur Pilates Gymnastik am Strand. Die Männer treffen sich eher beim Bierchen, bei einem kleinem Smalltalk über das liebste Thema: Technik an Bord. Die Konversation findet überwiegend auf Englisch statt, und nicht nur weil die Engländer in einer dominierenden Überzahl sind 😉

Allgemein herrscht hier ein ausgesprochen gutes und ruhiges Klima, alle sind freundlich und zuvorkommend. Das Marina Service Personal ist typisch sizilianisch offen, nett und hilfsbereit.  Man kann es fühlen, wir sind hier Willkommen.  Was interessant zu beobachten ist, sind die Locals, die Abends in die Marina kommen und die Promenade entlang flanieren. Für die  ist das eine komplett neue und moderne Welt. Vor allem die Jüngeren trudeln hier gerne rum. Gegensätze: Uns treibt es von der urbanisierten modernen Welt weg, in die engen Gassen und das Nostalgische zieht uns magisch an während die junge Sizilianer umgekehrt das Moderne und das Glänzende suchen. Ich denke, sie wissen es nicht besser, ihnen fehlt der Vergleich, es fehlt die nüchterne Erfahrung über die Kälte des Nordens.

 

Viele Segler haben ihre Boote vermummt und sind bereits abgereist. Es kehrt eine richtige Ruhe ein. Die Zeit ist reif über die vergangene Monate nachzudenken, auszuwerten und zu realisieren. Es ist auch nicht mehr so heiß, tagsüber  herrschen so um die angenehme 25-27grad. Schlafen tut es sich jetzt sehr gut. Wenn es nach mir gehen würde, hätte ich keine Hemmung hier zu überwintern. Ich glaube, mich mit der Insel identifiziert zu haben, ich fühle mich hier wohl. Manchmal kreist auch so ein flüchtiger Gedanke im Kopf herum, hier leben zu können.

Entfremdung

Ende Oktober, 21Uhr, die Temperaturanzeige an der Apotheke zeigt unverändert 25 Grad an. Windstill. Samstag. Die Stadt ist schon wach und brodelt. Alle Cafés und Bars sind gut besucht. Die Leute sitzen draußen. Auch die älteren Menschen haben sich in ihren Ecken etabliert, es wird Karten gespielt. Erstaunlich, aber beim Kartenspiel geht es sehr ruhig einher, entspannte Gesichter, verklungene Stimmen und eine tüchtige Konzentration beim Geben.

Dave, Poulin and Me, wir suchen uns eine kleine gemütliche Pizzeria in einer schmalen, entlegenen Gasse. Die Erfahrung sagt: die kleinsten, die unauffälligsten, seitlich von den Touristen-Centren gelegenen Lokale, sind die schönsten. Es sind nicht zu allzu viele Gäste hier, es ist nicht überlaufen, man wird noch richtig bedient, man bekommt die Aufmerksamkeit die man so schon gar nicht mehr kennt.  Die Pasta, Pizza, Antipastis werden direkt vor deinen Augen zubereitet und man kann die Kreation auch nach Wunsch mitgestalten. Meistens hat man aber keine Wünsche. Allein das Zuschauen ist ein sehr genüsslicher Prozess,  ich kann so Stunden verbringen.

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In rund zwei Monaten habe ich Sizilien quer und durch per Auto und Bus abgereist. Ich vermisse aber so sehr meinen Randonneur, die zuverlässige unermüdliche Radelmaschine. Mit dem Auto ist es mir zu schnell, zu oberflächlich. Ich würde gerne die Zeit etwas langsamer abspulen lassen, um die Momente, die Augenblicke hautnah aufzusaugen.  Wie gesagt, zwei Monate sind schon rum seit ich den Boden Siziliens das erste Mal betreten habe. Und erst jetzt kommt dieses „wie Zuhause“ Gefühl. Die abgebröckelten Fassaden an den Häusern, die löchrigen Straßen, die Unordnung mal hier mal da, der allgegenwärtige Staub, und auch oft der einfach rücksichtlos entsorgte Müll an den Straßen, das alles nimmt man viel gelassener, es schockiert einen nicht mehr, es ist nun mal ganz normal, es ist so. Man kennt sich schon aus, kennt die Leute, kennt das Verhaltensmuster. Ich habe ohne jeglichen Widerstand die Esskultur der Insulaner freudig übernommen. Fleisch habe ich schon seit Monaten nicht gegessen. Wein aus ersten Hand, aus dem Fass, für sagenhafte 1.20€ pro Liter, erste Sahne! Trauben, leichter Käse, Antipastis, Meeresfrüchte, italienisches Brot… Ich fühle mich fit wie noch nie zuvor.

 

Sono Italiano, l’Italiano vero

http://www.youtube.com/watch?v=562nwBnMvJ8

Die Einlebung in die bunte Welt namens Italien braucht eine Weile. Mit den zwei Wochen Zeit aus dem Leben eines Pauschal Touristen kommt man nicht mal annähernd an sie ran.  Sie ist zu groß, zu vielfaltig, was sich natürlich auch über viele andere Länder und Völker dieses Planeten sagen lässt.  Italien, und vor allem Sizilien ist aber ein Tick bunter, lebendiger und auf dem ersten Blick irgendwie chaotischer.  Süd-Frankreich, Spanien, Italien: die Natur, die Berge, das Land, Olivenbäume, das Meer – alles spiegelt sich irgendwie ineinander. An  vielen Orten gibt es das Gleiche. Nur die Menschen stellen die sogenannten „small differences“ dar.

Man muss sie mögen, die Italiener. Es gibt keine andere Option, kein Zwischending. Ich mag sie auch, in voller Breite.  Sizilianer sind bei mir mittlerweile besonders hoch im Kurs. Hier, auf  der Insel,  hat sich über die Jahrhunderte ein brisanter Cocktail aus Italienern, Afrikanern und Wikingern zusammen gemixt. So sind auch die Charakteren – von Temperamentvoll-explosiv  bis zur beneidenswerten ausgewogenen Gelassenheit.  Fleißig, sehr schnell …und auch sehr langsam, träge.  Manchmal denke ich, einfach nur faul gibt es auch. Eines haben die meisten aber gemeinsam – eine ausgeprägte Lebensfreude und Kommunikationsbereitschaft.  Bei Schlendern durch die Orte und Gässchen, beobachte ich die Leute sehr gern und überall, ich mag sie studieren. In diesem Sinne, ist Sizilien ein sehr interessanter Studiengang. Es ist so einfach, die Leute mit nur ein-zwei Wörtchen italienisch anzusprechen, nach dem Weg zu fragen, oder einfach beim Augenkontakt mit Buonasera! zu begrüßen. Es ist ein purer Genuss, deren Reaktion zu sehen, das neugierige Glänzen in den dunklen Augen, die Mimik, die Gestik. Ob Alt oder Jung, ohne Ausnahme, sie alle habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Ja, sie sind laut und ja, sie kommen uns ziemlich chaotisch vor. Um im Straßenverkehr teilnehmen zu können, muss man zuerst ein paar nicht so unwichtige Formalitäten mit dem Mann mit der Sense klären, um dann anschließend,  einen Crashkurs für Beinhaar-Rasur auf Sizilianisch zu absolvieren. Erstaunlich ist aber, es passiert nichts. Egal wie fest ich die Augen zukneife, aus Angst dass es gleich rumpeln wird, es knallt einfach nicht, die sind einfach zu schnell diese Warmbluter.

Autofahren ist hier eine Kunst. Sizilianer fahren schnell, sehr schnell, die meisten jedenfalls. Zebrastreifen, Verkehrszeichen, und vor allem die Geschwindigkeitsbegrenzung hat hier einen rein symbolischen Charakter.  Bei dem ganzen wilden Durcheinander ist es erstaunlich, wie wenig hier irgendwas passiert. Ich bin mittlerweile seit zwei Monaten auf der Insel und ich habe noch nicht einen einzigen Unfall bzw.  Kollision gesehen.  Die Fahrer sind ausgesprochen nett und tolerant.  Und das bei der offensichtlich extremen Eile die sie alle haben, trotzdem wird angehalten, trotzdem wird vorbei gelassen, trotzdem wird einer reingelassen, durchgelassen usw.

Allgemein, trotz der Impulsivität der Sizilianer, passiert hier nichts, keine Auseinandersetzungen, keine Schubsereien, keine Rangeleien. Angebrüllt wird hier grundsätzlich niemand. Am Anfang drehte ich mich des Öfteren um wenn ich laute Stimmen hörte und dachte – da wird aber gerade heftig gestritten. Nein, dies ist deren Art sich zu unterhalten. Man kann jedes einzelne Wort hören, mitlauschen, das interessiert die nicht die Bohne. So auch beim telefonieren,  allein schon das  „pronto“ wird mit viel Expression ausgesprochen, und am Telefongespräch können dann ungehindert alle Zuhörer im Umkreis von 20Meter teilnehmen. Aber wen juckt’s?  Dies ist eben deren Kultur, und die verbale Konversation belegt in ihr einen wichtigen und stolzen Platz.

 

Sizilianische Momente

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